Es gibt Situationen, da knirscht es …

  • weil z.B. die Erzieherin etwas zu dir sagt oder etwas von deinem Kind erwartet, was in dir ein ungutes Bauchgefühl auslöst.

  • Oder weil du eine schwierige Erzieher-Kind-Situation in der Kita beobachtet hast, die du zu Hause ganz anders lösen würdest.

  • Oder dein Kind erzählt am Abend von einem Erlebnis im Kindergarten, dass dich evtl. zweifeln lässt, ob dein Kind in der Betreuung gut aufgehoben ist.

In diesen Momenten ist der Drang mit der Erzieherin oder dem Erzieher, der Tagesmutter oder dem Tagespapa zu reden oft groß. Und es zeigt sich, ob alle ruhig und friedlich miteinander kommunizieren können auch wenn herausfordernde, emotionale Themen angesprochen werden. Oder ob es zu gegenseitigen (unterschwelligen) Vorwürfen oder sogar zum offenen Konflikt kommt.

7 erprobte Schritte, wie du in Gesprächen mit pädagogischen Fachkräften ruhig bleiben kannst (und trotzdem sagst, was dir wichtig ist)

Wie gut kannst du der Betreuungsperson gegenüber deine Zweifel und Fragen, deine Sorgen und Ängste aussprechen?
Fühlst du dich dabei ernst genommen?
Kannst du Kritik freundlich äußern, ohne Vorwürfe zu machen, auch wenn du emotional aufgewühlt bist?

Denn für mich als Elternberaterin und Kita-Fortbildungsreferentin, ist eins super wichtig:

Wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften ist eine wesentliche Voraussetzung für gute, beziehunggstarke Kinderbetreuung in Kita & Co.
Und dafür sind beide „Seiten“ gleichermaßen verantwortlich.

In über 300 Stunden Beratung stellten mir Mamas und Papas immer wieder die gleiche Fragen:

„Wie kann ich etwas ansprechen, ohne dem:r Erzieher:in, Tagesmutter:vater auf den Schlips zu treten?“

„Wie kann ich etwas ansprechen, ohne dass es mein Kind später ausbaden muss?“

1. Schritt: Erstmal Atmen und nichts sagen

Hä, wieso denn nichts sagen?? Und außerdem: Atmen mach ich doch eh… denkst du dir jetzt vielleicht.

Nun.
Wenn es um unsere Kinder geht, dann werden wir oft zur Löwenmutter oder dem Löwenvater. Dann schützen wir das, was uns am Wichtigsten ist – unser Kind. Plötzlich tauchen Kräfte in uns auf, die sehr stark wirken können. Denn wenn Liebe im Spiel ist, dann werden unsere tiefsten Gefühle mächtig gewaltig. Und auch das eigene, innere Kind springt manchmal an.
Du merkst das, wenn dein Bauchgefühl sich meldet, deine Gedanken kreisen, dein Puls steigt oder dir ein Kloß im Hals steckt. Dein Körper ist in Alarmbereitschaft.

Sätze und Situationen wie z.B.

  • „Wir dürfen keinen Schritt zurück machen. Geben Sie ihr Kind auch weinend ab. Da muss er*sie jetzt durch.“ – machen Mutterherzschmerzen.

  • Dein Kind steht alleine und traurig da, weil es von den anderen Kindern ausgeschlossen wird und keiner von den Betreuer:innen kümmert sich – führt zu einem Stich in der Magengrube.

  • Ein:e Erzieher:in schimpft mit (d)einem Kind und setzt es auf die Bank in der Garderobe. – löst in dir ein Feuerwerk von Gedanken aus: „So geht das nicht, das ist Bestrafung!!“

  • Abends beim Ins-Bett-bringen erzählt dein Kind von Doktorspielen in der Kita. – und du kannst gar nicht einschlafen, weil dein Gedankenkarussel sich dreht.

Dass du mit intensiven Gefühlen/Gedanken reagierst, ist nicht ungewöhnlich und du brauchst dich dafür nicht rechtfertigen, wenn dein Herz dich warnt oder dein Kopf schon wie wild Sätze formuliert, die du der Betreuungsperson am liebsten sofort sagen möchtest.

Damit es jedoch in solchen Momenten nicht aufgrund ungefilterter Aussagen zu einem Konflikt kommt, ist es besser du machst Folgendes:

Erstmal ATMEN. Und nicht SOFORT etwas sagen.

Durch drei bis fünf mal tief Ein- und Ausatmen regulierst du deine intensiven Gefühle und wirst ruhiger.
Durch das „nicht sofort“ etwas sagen in diesem! Moment vermeidest du Vorwürfe, Verallgemeinerungen und Fehlinterpretationen.

Und damit verhinderst du möglicherweise einen Gesprächsverlauf, bei dem du am Ende etwas sagst, was du so nicht gemeint hast oder was verletzend war.

Nur damit du mich richtig verstehst:

Nicht sofort etwas zu sagen, bedeutet nicht GAR NICHTS zu sagen und evtl. Fehlverhalten zu bagatellisieren. Es ist vollkommen in Ordnung, Situationen, Erwartungen, Unstimmigkeiten, Sorgen, Kritik usw. in Krippe, Tagespflege oder Kindergarten anzusprechen.

Es ist nur die Frage WIE. Und WANN.

Auch gibt es Situationen, die ein sofortiges Handeln und Eingreifen nötig machen, um Kinder zu schützen. Ich schreibe dazu noch etwas weiter unten.

2. Schritt: Nachspüren – Worum geht´s eigentlich?

Wenn du deine Bauchgefühle etwas reguliert hast und du wieder ruhiger atmen und nachdenken kannst, dann kläre z.b. folgende Fragen:

  • Worum geht’s hier wirklich?

  • Was ist genau passiert?

  • Was ist meine Angst bzw. mein Bedürfnis?

  • Habe ICH ein Problem mit der Situation oder hat (m)ein KIND ein Problem?

Spüre also nach, was deine Gefühle und Gedanken ausgelöst hat. Ordne sie ein und entscheide wem sie gehören. Mach deinen Kopf frei und versuche genau herauszufinden was dir wichtig ist. Damit du weißt, was du sagen willst. Oder du bemerkst, dass du es mit dir selbst/deinem Kind klären kannst und es gar kein Elterngespräch braucht.

Wenn du in dir ruhig und sortiert in ein Gespräch gehst, klar und wertschätzend dein Anliegen schilderst, dann kannst du vermeiden als „überbesorgte, emotional aufgebrachte Mutter“ wahrgenommen zu werden.

Mit Klarheit und Souveränität ermöglichst du einen guten Start in das Gespräch mit der Erzieherin, dem Erzieher, der Tagesmutter oder dem Tagespapa.

3. Schritt: Beachte das Timing

Überlege dir gut, welcher Zeitpunkt und welcher Ort für dein Anliegen der Richtige ist. Je nach Thema, Dringlichkeit oder Umfang des Gesprächs entscheide zwischen:

  • Ist (m)ein Kind in akuter Gefahr oder erlebt in diesem Moment gewaltvolles Verhalten? Dann greife ein. (Solltest du in so einer Situation sein, gelten nochmal andere Empfehlungen als diese hier im Blogartikel.)
  • Habe ich eine Situation beobachtet, ein kurzes Anliegen oder ein leicht zu klärendes Thema? Dann nutze ein Tür- und Angelgespräch am Morgen beim Bringen oder Nachmittag beim Abholen.
  • Habe ich mehrere Situationen beobachtet, ein größeres Anliegen oder mehr Redebedarf? Dann vereinbare einen richtigen Gesprächstermin mit dem:r Erzieher:in.

Wähle Zeit und Ort für dein Gespräch weise. Es geht nicht nur darum etwas zu sagen, sondern auch darum gehört zu werden.
Frage deine:n Gesprächspartner:in wenn möglich, wann er*sie bereit ist und ein offenes Ohr hat.

4. Schritt – Hol dir Unterstützung

Ein Gespräch mit deinem Mann oder deiner Frau, deiner besten Freundin oder mit mir in der Beratung kann dir wunderbar helfen, deine Gedanken und Gefühle zu sortieren. So kannst du dich gut auf das Gespräch mit der Betreuungsperson deines Kindes vorbereiten.

Sei vorsichtig mit Fragen in z.B. Facebook-Gruppen. Viele verschiedene Meinungen, von Menschen, die weder dich noch dein Kind kennen, sind oft nicht hilfreich. Sie können an den Bedürfnissen von dir und/oder deinem Kind vorbei gehen, dir ein schlechtes Gewissen machen oder dich unter Druck setzen, weil „bei den anderen geht es ja auch“.

Es ist nicht grundsätzlich verkehrt Social Media oder Google zu fragen, so meine ich das nicht. Ich hab nur leider schon oft Threads gelesen, wo der Mama Vorwürfe gemacht werden, schnell geschossene „Nimm dein Kind da raus“ Kommentare fliegen oder die Mama am Ende verunsicherter ist als vorher. Das tut mir immer sehr leid und viele Mamas kommen dann recht verzweifelt zu mir.

Wenn ich in Beratungen im Happy Kita Fokusgespräch mit Mamas oder Eltern bin, dann höre ich erst mal nur zu und schreibe mit. Dann frage ich ganz gezielt nach, puzzle mir die Details zusammen, bis ich einen ganzheitlichen Überblick über die Lage habe. Das braucht Zeit. Oft auch zum Tränen trocknen.
Und erst danach stelle ich meine Impulsfragen, schätze die Situation aus pädagogisch-fachlicher Sicht ein und auch das immer mit dem Hinweis, dass niemand in einen Menschen rein gucken kann.
Im Beratungsgespräch ergeben sich durch meine Fragen und Impulse viele Antworten und Anhaltspunkte, Klarheit und innere Ruhe.

5. Schritt – Nochmal Atmen und Augenkontakt

Direkt bevor du mit dem:r Erzieher:in oder Tagesmutter:vater ins Gespräch gehst, bleibe stehen und atme zwei bis drei mal tief durch. Dann erst gehst du weiter. Lächle. Und schau deinem Gegenüber freundlich in die Augen.

Das Atmen stellt die Verbindung zu dir selbst her. Der Blickkontakt stellt die Verbindung zu deinem:r Gesprächspartner:in her. So startest du den Austausch in Beziehung.

6. Schritt – Geh in den Perspektivwechsel

Dass wir beobachtete Situationen interpretieren und bewerten passiert automatisch, weil unser Gehirn gern strukturiert und einsortiert. Damit solche Urteile keine negativen Auswirkungen haben ist es wichtig bewusst zu reflektieren und ggf. bei der Person nachzufragen – also in dem Fall dem:der Erzieher:in oder Tagesmama:papa.

Frage die Betreuungsperson deines Kindes im Gespräch:

  • „Ich habe …. bemerkt / zufällig gesehen. Warum haben Sie Situation …. so gelöst?“
  • „Ich möchte gern verstehen, warum …“

Denn es ist genauso wie wir es bei unseren Kindern sehen: Auch das Handeln von pädagogischen Fachkräften hat immer einen Grund und je mehr wir wissen und verstehen, desto mehr Verständnis empfinden wir. Und das macht uns offener für ein klärendes, wertschätzendes Gespräch.

Erzieher:innen oder Tagespflegeeltern handeln nicht immer perfekt. Eltern auch nicht.
Aber alle geben das Beste, was sie gerade in diesem Moment können.

Uff. Vielleicht musst du bei dem letzten Satz schlucken und ein Gedanke schießt in deinen Kopf: „Nein, also ich kenne Pädagog:innen, da zweifel ich daran, dass sie ihr Bestes geben.“

Ich wage es an dieser Stelle nicht über einzelne Situationen zu urteilen. Was mir wichtig ist zu sagen:

Handeln besser zu verstehen bedeutet nicht, dass du das Handeln gut finden musst.
Handeln nachvollziehen zu können bedeutet nicht, dass das Handeln „richtig“ war.

Ob und wenn ja wie sich Verhalten von Kindern und/oder Erwachsenen verändern soll, darüber lässt sich in den Austausch kommen.

Das wird leichter klappen, wenn sich die Gesprächsbeteiligten wertschätzend und respektvoll auf Augenhöhe befinden. Das gilt nämlich nicht nur für die Erwachsenen-Kind-Kommunikation, sondern auch für die Kommunikation zwischen Erwachsenen, also Eltern und pädagogischen Fachkräften.

Wichtig für gelingende Gespräche mit Erzieher:innen und Tagesmutter:vater ist, durch offenes und wertfreies Nachfragen mehr Informationen zu sammeln statt vorschnell zu urteilen.

7. Schritt – Nutze die gewaltfreie Kommunikation

Auch als Beraterin läuft bei mir nicht einfach alles easy und ich war früher schon zum Elterngespräch in der Kita oder bei der Tagesmutter.
Auch als Mutter kenne ich natürlich den Impuls, eine Sache unbedingt klären zu müssen und z.B. für (m)ein Kind einzutreten.
Vor allem wenn die Emotionen Achterbahn fahren, die Sorgen ums Kind sich im Kreis drehen und die Meinungen und das Bild vom Kind weit auseinanderklaffen, ist die Gratwanderung für erfolgreiche Kommunikation manchmal schwer.

Für einen wertschätzenden Meinungsaustausch mit Erzieher:innen und Tagespflegeeltern und das Mitteilen von eigenen Gefühlen und Bedürfnissen eignet sich die gewaltfreie Kommunikation (GfK) sehr gut.

In meinen Happy Kita Beratungen gebe ich viele Kommunikationstipps und ich formuliere auch Beispielsätze als Vorbereitung auf das Elterngespräch in Kita & Co.
Dann fühlen sich die Mamas/Eltern souveräner und klarer und sie sind weniger aufgeregt, auch wenn sie schwierige Themen ansprechen wollen.

Sie können für sich selbst und/oder ihr Kind eintreten ohne den Erzieher:innen und Tagespflegeeltern auf den Schlips zu treten.
Und das kommt letztlich allen zu Gute – Eltern und pädagogischen Fachkräften und vor allem dem Kind.

PS: Viele Gespräche in Kita & Co laufen erfolgreich, aber nicht immer. Wie Elterngespräche oder Tür- und Angelgespräche ablaufen liegt zu 50% an den Eltern und ihrer Kommunikation und zu 50% an den Gesprächsführungskompetenzen der Fachkräfte. Weitere Einflussfaktoren sind natürlich auch äußeren Rahmenbedingungen (Gesprächsatmosphäre).

Wenn du eine Beratung bei mir buchst, dann kann ich nicht Zaubern, denn nicht alle Fachkräfte sind gut in Kommunikation geschult. Aber ich stärke dich so, dass die 50% Einfluss, die du auf das Gespräch hast, möglichst gut sind. Und dass du dein Anliegen vortragen kannst, dabei ruhig und bei dir bleibst und die Wahrscheinlichkeit gesehen, gehört und ernst genommen zu werden erhöhst. Und somit kann ein wertvoller Austausch stattfinden, auch wenn es vorher mal „geruckelt“ hat, es Unstimmigkeiten, Meinungsverschiedenheiten, Vorfälle oder sogar Konflikte gab.