Es gibt Momente im Elternsein, die fühlen sich an, als würde das Herz gleichzeitig wachsen und brechen.
Die Kita‑Eingewöhnung ist für viele Mamas und Papas genau so ein Moment.
Viele Eltern sagen oder denken in dieser Zeit Sätze wie:
„Ich weiß, dass der Kita-Start für mein Kind jetzt dran ist… aber mein Bauch zieht sich trotzdem zusammen.“
„Ich will stark sein, aber innerlich weine ich.“
„Warum fällt mir das schwerer als meinem Kind?“
„Ich habe Angst, dass ich nicht mehr gebraucht werde.“
„Was ist falsch an mir, klammere ich vielleicht wirklich zu sehr?“
Und genau hier beginnt die Last des Loslassens.
Warum Loslassen in der Eingewöhnung so schwer ist – 3 wichtige Aspekte
Loslassen ist ein natürlicher Teil des Lebens, und gleichzeitig einer der herausforderndsten.
Nicht, weil Eltern „zu sensibel“ sind oder weil sie „nicht loslassen können“. Das gehört in die Kategorie „Mythen über die Eingewöhnung“.
Sondern weil Loslassen immer zwei Dinge gleichzeitig bedeuten:
Veränderung und Vertrauen.
Beides ist emotional. Beides ist groß. Beides ist zutiefst menschlich.
(1) Loslassen berührt unser Bindungssystem
Wenn wir ein Kind bekommen, aktiviert sich unser Bindungssystem auf Hochtouren. Wir sind als Eltern darauf ausgerichtet, unser Kind zu schützen, zu halten, zu begleiten. Und unser Kind ist genauso darauf programmiert, sich an uns zu binden – denn Alleinsein für den Tod bedeuten.
Ganz so existenziell bedrohlich ist eine Kita‑Eingewöhnung natürlich nicht, aber sich voneinander zu trennen heißt trotzdem:
- das Kind geht einen Schritt weg
- Eltern müssen einen Schritt zurücktreten
- eine neue Bezugsperson tritt ins Leben des Kindes
Das rüttelt am Bindungssystem und fühlt sich für viele Eltern an wie ein kleiner Riss im Herzen – obwohl es gleichzeitig ein Schritt in die Selbstständigkeit des Kindes ist. Denn auch Autonomie, Entwicklung und die Welt entdecken ist in unseren Kindern einprogrammiert.
(2) Loslassen ist Veränderung – und Veränderung macht Angst
Veränderung bedeutet oft zunächst:
- neue Anforderungen und Abläufe
- große Erwartungen und aufregende Ereignisse
- viel Unbekannntes und Unsicherheit
- im Worst-Case Kontrollverlust und Katastrophen-Gedanken
Viele Eltern empfinden die Kita als Black-Box:
„Ich gebe mein Kind in fremde Hände – das fühlt sich riesig an.“
„Können sich die Fachkräfte auch gut um mein Kind kümmern?“
„Was passiert mit meinem Kind, wenn ich nicht dabei bin.“
Diese Angst ist aber kein Zeichen von Schwäche, sie ist ein Zeichen von Liebe und völlig normal.
(3) Loslassen ist eine Frage der Bewertung
Interessanterweise sind einige Loslassmomente im Leben mit Kindern total positiv besetzt, für viele gibt es sogar Meilensteinkarten:
- die Geburt „Endlich bist du da!“
- das erste Lächeln „Ich zerschmelze vor Glück.“
- die ersten Zähnchen „Hurraa!“
- das erste Laufen „Wow, du kannst das!“
- die erste Locke, die zu lang war„Oh wie süß…“
- das erste Einschlafen ohne Hilfe „Jipiii…“
Und der erste Kita-Tag?
Für viele Eltern zwar auch ein Meilenstein, aber oft mit eher gemischten Gefühlen.
Der Prozess des Loslassens ist meist negativ(er) besetzt und löst eher Stress aus.
„Ich muss das schaffen.“
„Ich darf nicht zeigen, dass es mir schwerfällt.“
„Alle anderen schaffen das doch auch.“
Dabei ist die Eingewöhnung kein Test. Eingewöhnung ist ein Übergang.
Loslassen gehört zum Fluss des Lebens
Loslassen ist kein einmaliges Ereignis, sondern kommt immer und immer wieder. Egal ob wir das bewusst merken oder verdrängen.
Loslassen ist ein Fluss, der durch das ganze Elternsein hinweg langsam plätschert oder auch mal schneller strömt.
Loslassen bedeutet unser Kind Stück für Stück in sein eigenes Leben zu entlassen. Denn wir besitzen unsere Kinder nicht. Wir dürfen sie begleiten, ihnen Wurzel und auch Flügel geben.
- Wir lassen los, wenn das Baby zum ersten Mal von jemand anderem gehalten wird.
- Wir lassen los, wenn das Kind die ersten Schritte macht.
- Wir lassen los, wenn es alleine rutscht, klettert, rennt.
- Wir lassen los, wenn es Freundschaften schließt.
- Wir lassen los, wenn es eigene Entscheidungen trifft.
Loslassen bedeutet nicht, dass die Bindung schwächer wird.
Loslassen bedeutet, dass die Bindung stark ist und sich weiterentwickelt.
Wie Loslassen in der Eingewöhnung leichter werden kann
Die Last des Loslassen wird leichter, wenn Eltern:
1. verstehen, was in ihnen passiert
Wenn du weißt, dass deine Gefühle normal sind, verlieren sie ihre Schwere.
Du musst dich nicht „zusammenreißen“.
Du musst dich nicht „abgrenzen“.
Du musst dich nicht „abhärten“.
Du darfst fühlen.
Du darfst traurig sein.
Du darfst stolz sein.
Du darfst beides gleichzeitig sein.
2. eine bindungssichere und beziehungsstarke Eingewöhnung erleben
Wenn ich in Kitas Fortbildungen gebe, ist ein zentraler Aspekt immer dieser:
Eine gute Eingewöhnung nimmt nicht nur das Kind, sondern zu aller erst die Eltern in den Blick. Das bedeutet Mamas und Papas:
- werden von den Fachkräften ernst genommen und gehört
- erleben einen offenen, ehrlichen Austausch in einer Erziehungspartnerschaft
- sie werden in ihren Gefühlen gesehen statt verurteilt
- Eltern sollen mitbestimmen und werden nicht zu Trennungen gedrängt
- sie dürfen in ihrem Tempo loslassen
- und bekommen Sicherheit von der Fachkraft, als Voraussetzung dafür ihrem Kind Sicherheit zu geben
Eine gelungene Eingewöhnung ist kein angebliches „Kurz und schmerzlos Kind Abgeben“. Welche Auswirkungen es hat, wenn eine Trennung zu schnell bzw. zu früh ist, kannst du hier nachlesen.
Eine gelungene Eingewöhnung ist ein gemeinsamer Prozess, der alle Beteiligten im Beziehungsdreieck im Blick hat.
3. Vertrauen aufbauen – in sich, das Kind und die Fachkräfte
Loslassen fällt leichter, wenn du weißt:
- Mein Kind darf sich Zeit lassen und kann das meistern.
- Ich darf mir Zeit lassen und kann das auch schaffen.
- Wir bleiben dran, aber wir müssen nichts erzwingen.
- Aus anfangs fremden Fachkräften werden Verbündete und Vertraute.
- Bindung ist kein Wettbewerb, mein Kind gewinnt neue Bindungspersonen dazu und das ist ein Gewinn.
Vertrauen entsteht nicht durch „Augen zu und durch“.
Vertrauen entsteht durch Beziehung und Bindung. Und genau dafür ist die Eingewöhnung da. Sicherheit fällt nicht an Tag 4 (wo klassischerweise oft die erste Trennung gemacht wird) vom Himmel. Sicherheit und Vertrauen muss sich vorher!! aufbauen und dann können Eltern auch loslassen.
4. den Blick auf das Positive richten
Die Eingewöhnung ist nicht das Ende von etwas.
Sie ist der Anfang von etwas Neuem.
- neue Erfahrungen
- neue Freundschaften
- neue Fähigkeiten
- neue Selbstständigkeit
- neue Frei-Räume für Eltern und Kinder
Loslassen bedeutet nicht Verlust.
Loslassen bedeutet Wachstum und Weiterentwicklung.
Fazit: Loslassen ist Liebe in Bewegung
Nicht Loslassen können ist kein Manko.
Loslassen ist emotional aufwühlend, weil wir lieben.
Loslassen fällt manchmal schwer, weil wir verbunden sind.
Aber Loslassen ist auch: Vertrauen, Freiheit, Beziehung, Wachstum.
Die Eingewöhnung ist kein Drama, das man „überstehen“ muss.
Sie ist ein Bindungsmoment, der Eltern und Kinder stärkt – wenn er sensibel, beziehungsstark und achtsam begleitet wird. Und dafür kämpfe ich seit über 8 Jahren.
Wenn du als Mama oder Papa merkst, dass das Loslassen dich emotional (über)fordert oder du unsicher bist, ob dein Kind gut begleitet wird, dann ist das kein Zeichen von Versagen. Es ist ein Zeichen von Verantwortung. Und es ist ein Zeichnen dafür, dich bei mir zu melden.
Ich berate und begleite dich gerne bei diesem wichtigen Meilenstein auf deinem Eltern-Weg und wir schauen gemeinsam, was dein Kind und du jetzt wirklich brauchen. Im Happy Kita Start Begleitprogramm bin ich dein Sicherheitsnetz, damit du ohne Angst Loslassen kannst. Denn Eingewöhnung muss nicht weh tun.


