„Gerade war er noch so klein und nun ist plötzlich der erste Tag im Kindergarten. Ich bin so stolz.“

„In einem Monat ist sie schon ein Krippenkind. Ich bin wehmütig, weil die Zeit so schnell verging.“

„Mein Wiedereinstieg auf Arbeit beginnt bald  – Jetzt bin ich nervös.“

Mamas machen sich oft Gedanken über die Eingewöhnung. Doch wenn der 1. Tag in der Kita immer näher rückt, dann geht bei vielen auch die Elternzeit zu Ende. Und das kann allerlei Gefühle hervorrufen, die frau vorher oft nicht erwartet hat. Denn plötzlich geht es gar nicht nur ums Kind, sondern auch um einen selbst.

Inhaltsverzeichnis

Wem fällt es schwerer – Mama oder Papa?
Die zwei Gefühle am Ende der Elternzeit
BONUS: Übung zum leichteren Loslassen

Wem fällt es schwerer – Mama oder Papa?

Vorrangig für Mutter und Kind ändert sich der Alltag im Zuge der Eingewöhnung am meisten.

Denn Statistiken [1] zufolge nehmen Mütter im Durchschnitt 14,5 Monate und Väter 3,7 Monate Elternzeit. Selbst wenn die Zahl der Männer in Elternzeit leicht angestiegen ist (1,4% in 2020), Papas oft die letzten zwei Monate Elternzeit – und damit die Eingewöhnung – übernehmen, bleibt die größte Veränderung doch für Kind und Mama. 

Der Loslassprozess am Ende der Elternzeit ist oft für diejenige Person am schwersten, die die meiste Zeit mit dem Kind verbracht hat.

Die Eingewöhnung an den anderen Elternteil abzugeben, aus welchen Gründen auch immer, ändert nichts am Loslassprozess. Denn dieser kommt, so oder so, für denjenigen Elternteil, der die meiste Elternzeit mit dem Kind verbracht hat. (Wie ich das Modell „Papa übernimmt am Ende 2 Monate Elternzeit und die Eingewöhnung“ finde, dazu schreibe ich ein anderes Mal.) 

Kennst du das?

Wenn du am längsten mit eurem Kind zusammen warst (also hauptsächlich die Elternzeit übernommen hast), hast du viele, viele, viiiiiiele Stunden mit eurem Kind verbracht und es durch die typischen Höhen und Tiefen des Alltags hindurch begleitet. Du hattest gute Stunden/Tage/Wochen, die leicht waren. Und vermutlich auch weniger gute Stunden/Tage/Wochen, die sich schwer angefühlt haben. Diese Zeit hat euch beide enorm zusammengeschweißt und ein dickes Bindungs- und Beziehungsband wachsen lassen. Während der andere Elternteil z.B. überwiegend arbeiten ging und quantitativ weniger Zeit mit eurem Kind hatte. 

Das bedeutet NICHT automatisch, dass die Qualität der einen Eltern-Kind-Beziehung besser und die andere schlechter ist. Es liegt darin keine Wertung. Ich bin davon überzeugt, dass sowohl Mama-Kind als auch Papa-Kind Beziehungen stark sein können und dass es keine 1. und 2. Ordnung geben muss. 

Gleichzeitig, und das ist der Punkt worauf ich hinaus will, haben beide Elternteile unterschiedliche Ausgangssituationen, wenn das eigene Kind in die Kita kommt.
Eine:r war die meiste Elternzeit mit dem Kind zusammen, der:die andere war die meiste Zeit Arbeiten.

Der Alltag ändert sich durch die Eingewöhnung also nicht nur für das Kind, sondern auch für einen Elternteil (meist Mama) am intensivsten, während sich der (Arbeits)Alltag für den anderen Elternteil (meist Papa) nur wenig ändert.

Zum Prozess des „Kind-Loslassens“ kommt für einen Elternteil ein eigener Prozess hinzu: das „Elternzeit-Loslassen“.
Zum Prozess der „Eingewöhnung Kind“ kommt der Prozess „Wiedereinstieg auf Arbeit“ hinzu. 

Die zwei Gefühle am Ende der Elternzeit

Das Ende der Elternzeit und der Beginn bzw. Wiedereinstieg der Arbeit löst oft allerhand Gefühle aus, die sich in zwei „Kategorien“ einteilen lassen: 

Vorfreude, Stolz, Zuversicht, Vertrauen, Neugierde, Hoffnung, Zufriedenheit usw. 

und

Wehmut, Trauer, Unsicherheit, Zweifel, Angst usw.

Eine ambivalente Mischung, die wir manchmal schwer aushalten können.

Viele Mamas in meinen Beratungen erzählen mir:

  • „Ich hab keine Lust wieder zu arbeiten. Die Elternzeit war so schön. Von mir aus könnte das so weitergehen.“
  • „Stefanie, ganz ehrlich: Ich kann nicht mehr. Ich hab meine Bedürfnisse so lang zurückgestellt. Ich brauche Raum für mich.“
  • „Ich bin froh, dass die Kita bald beginnt. Mache mir aber trotzdem Sorgen.“
  • „Die Elternzeit war gut. Doch die ganze Zeit allein mit Kind war anstrengend.“
  • „Ich freu mich wieder auf Arbeit zu gehen. Ich mag meine Arbeit.“
  • „Mir fehlen Gespräche mit anderen Erwachsenen. Aber ich vermisse mein Kind jetzt schon und die Kita hat noch nicht mal angefangen.“ 

Falls es dir auch so geht:

Erlaube dir traurig zu sein, dass die besondere Elternzeit in dieser Form vorbei ist und nun ein neuer Lebensabschnitt kommt.
Erlaube dir auch, dich auf all das zu freuen, was dich nach der Eingewöhnung erwartet.

Es ist ok, BEIDE GEFÜHLE zu spüren. Du musst dich nicht für eins entscheiden. Beide haben ihre Berechtigung. Sei friedlich mit dir selbst. Es ist alles so wie es für dich richtig ist. Deine Gefühle sind deine Freunde. Sie zeigen dir, was dir wichtig ist.

Bonus: Übung zum leichteren Loslassen

Vorbereitung:

  • Besprich mit deinem:r Partner:in, dass du ein bis zwei Stunden Zeit für dich allein haben möchtest.
  • Wähle deinen Lieblingsplatz (in deinem zu Hause oder auch im Garten, Wald, … wenn du dort gut schreiben kannst).
  • Nimm dir weißes Blatt Papier.
  • Leg dir einen gut schreibenden Stift parat.
  • Mach dir zu Hause leise Musik an, die dich entspannt, und bei der du nicht automatisch Mitsingen willst. Klavier-, Gitarrenmusik, Naturklänge aus dem Wald oder Meeresrauschen eignet sich gut.
  • Stell dir einen Tee, Kaffee, Wasser oder was du sonst gern magst bereit.

Durchführung:

  • Setz dich bequem hin.
  • Atme 3 bis 5 mal tief ein und aus.
  • Beginne dann zu schreiben

Mein wunderbares Kind _____ (Name), meine Elternzeit mit dir war ….

Und dann schreibst du alles auf, was dir spontan in den Sinn kommt:

  • Alles was schön war.
  • Und alles was ganz schön anstrengend war.
  • Alles woran du gerne zurück denkst.
  • Was dich überrascht hat.
  • Und alles was dich herausgefordert hat.
  • Was dich hat wachsen lassen.
  • Was du an der Elternzeit geliebt hast und was du vermissen wirst.
  • Und was du nicht vermissen wirst.
  • Alles an was du dich auch später noch erinnern willst.
  • Und alles wofür du dankbar bist.

Du musst nicht chronologisch vorgehen. Schreib einfach so wie es kommt. Vertrau dem Prozess, dein Unterbewusstsein weiß alles. Du hast alles in dir.
Vielleicht musst du ein bisschen weinen. Das ist ok. Atme. Lass los. Atme. Nichts ist verloren. Papier ist geduldig. Und alles was du als Erinnerungsschatz bewahren willst schreibst du auf.

Wenn du fertig bist, atme wieder. Bleib einfach noch ein bisschen sitzen, wenn du den Stift bei Seite gelegt hast. Wenn du willst, kannst du deine Zeilen nochmal lesen. Musst du aber nicht.

Manifestation:

Wenn du das Gefühl hast, du hast das Wichtigste aufgeschrieben, beende dein Werk. Es geht nicht um Perfektion und Vollständigkeit. Vertrau deinem Inneren, dass es dir alles gesagt hat.

Nimm dir nun einen etwas kleineren Zettel, der darf auch etwas stabiler sein. Postkartengröße eignet sich gut.

Und dann schreibe darauf:

Ich bin dankbar für meine Elternzeit. Ich bewahre diesen Schatz in meinem Herzen. Ich bin bereit für den neuen Lebensabschnitt. Ich freue mich auf die Eingewöhnung, meine Arbeit, …

Du kannst diese Sätze natürlich für dich abwandeln, ich denke du hast verstanden worum es geht.

Klemm dir den Zettel als kleiner Reminder an den Kühlschrank, den Badspiegel, neben das Bett oder irgendwo dahin, wo du ihn oft am Tag (unter)bewusst lesen kannst.

Alles Liebe für dich, deine Stefanie

PS: Schreib mir, was die Übung in dir bewirkt hat und WO der Zettel klemmt.