1. Geburtstag, Gefühle und Gänsehaut – Ein Gespräch mit der Eingewöhnungsexpertin und Autorin von „Auf ins Kita-Abenteuer“

24. Juli 2025 | Beziehungsstarke Kita-Eingewöhnung, Blog, Happy Kita unterwegs | 0 Kommentare

Der erste Geburtstag ist etwas ganz Besonderes. Nicht nur im Leben eines Kindes, sondern auch im Leben eines Buches: „Auf ins Kita-Abenteuer“ feiert genau diesen Meilenstein – und mit ihm all die Eltern, Kinder und Fachkräfte, die das Kita-Leben mit Herz und Haltung gestalten und erleben.

Wie beim ersten Kindergeburtstag liegt auch bei der Eingewöhnung eine besondere Mischung aus Vorfreude, Aufregung und Veränderung in der Luft. Viele Kinder kommen rund um ihren ersten (oder dritten) Geburtstag in die Kita – ein Schritt, der für Familien nicht selten mit echten Gänsehautmomenten verbunden ist. Tränen, Stolz, Abschied und Neubeginn – all das vereint sich in dieser Zeit.

Zum Jubiläum von „Auf ins Kita Abenteuer“ hat Autorin und Eingewöhnungsexpertin Stefanie von Brück 20 Fragen beantwortet: über persönliche Aha-Momente, echte Herausforderungen, berührende Rückmeldungen von Leser*innen und darüber, was eine gute Kita-Eingewöhnung wirklich ausmacht.

Inhaltsverzeichnis

Wie alles begann: Stefanie von Brück über Mut, Fehler & Gänsehautmomente

1. Stefanie, vor einem Jahr ist dein Buch „Auf ins Kita-Abenteuer“ erschienen. Was hat dich damals dazu inspiriert, es zu schreiben?

Mir war recht schnell (nachdem ich mich 2018 auf das Thema Eingewöhnung spezialisiert hatte) klar, dass ich ein Buch schreiben will. Aber es fehlte mir die Zeit, denn ich war immerzu ausgebucht mit Eltern-Kita-Beratungen. Zusätzlich unterstützte ich vor allem in den Sommermonaten weit über 30 Familien parallel bei der Eingewöhnung ihrer Kinder. Das ist eine wichtige und gleichzeitig sehr herausfordernde Arbeit. Die emotionale Belastung ist auch für mich groß, denn bei mir landet alles – die guten Eingewöhnungserfahrungen und die negativen bis traumatischen Erlebnisse.

Ich habe mein Buch geschrieben, damit ich mehr Menschen erreichen, sensibilisieren und helfen kann. Mehr als ich es allein mit der persönlichen Beratung und Begleitung von Eltern und Fortbildung von Fachkräften schaffe. Es war mein unbedingter Wille etwas zur Veränderung in der Kita-Welt beizutragen, die Botschaft in die Welt zu bringen, dass Eingewöhnung NICHT weh tun muss. Und ich wollte ein niedrigpreisiges Angebot für Familien schaffen, weil mir soziale Gerechtigkeit wichtig ist.

2. Wie hast du die ersten Wochen mit deinen eigenen Kindern in der Eingewöhnung erlebt?

Ich sag mal so, als ich vor dem Kita-Start mit meinem ersten Kind stand, hätte ich die spätere Stefanie als Eingewöhnungsexpertin definitiv gut gebrauchen können. Oder eben ihr Buch. Denn ich war sehr hin und her gerissen zwischen meinem Kind und dem geplanten Arbeitsstart. So geht es vielen Müttern, die ich berate und deswegen fällt es mir auch so leicht mich einzufühlen und ihre Perspektive zu verstehen, weil ich das selbst schon erlebt, aber auch erledigt habe. Ich hab genug fachliche Sicht von Außen und kann die Mamas gut durch ihren eigenen Prozess durchführen.

Letztlich hatte ich alles kurz vor knapp verschoben, meine Elternzeit verlängert und dann eine ganz langsame und gute Eingewöhnung gemacht und ab dem 2. Geburtstag wieder gearbeitet. Die Erzieherin war ein Herz und hat mich sehr empathisch unterstützt. Aber dieses Gedanken-Karussell vorher braucht niemand, deswegen zeige ich Eltern wie sie es stoppen können.

Die Tagesmutter für mein zweites Kind (damals 2 Jahre) hab ich empfohlen bekommen und ich hatte sofort ein gutes Gefühl bei ihr. Ich war trotzdem lange mit dabei, weil ich in meiner Elternzeit meine Selbstständigkeit aufgebaut habe und keinen Zeitdruck hatte. Bei der ersten richtigen Trennung wusste ich, dass mein Kind mich in den nächsten 45 min nicht braucht und happy ist während ich im Café gegenüber Mittag gegessen habe. Das war sehr beruhigend.

3. Welche Fehler hast du vielleicht selbst gemacht – und was hast du daraus gelernt?

Ich habe aufgrund unseres Umzugs und fehlendem Kita-Platz eine zeitlang mit beiden Kindern kita-frei gelebt. Diese Phase hat mich überfordert, weil ich als bedürfnisorientierte Mutter zwar auf meine Kinder, aber zu wenig auf mich geachtet habe. An vielen Stellen hätte ich wesentlich früher meine Grenzen achten müssen. Aber auch diese Erfahrung teilen so viele Frauen! Care-Arbeit ist echt krass und wird total unterschätzt.

Und wenn dann in der Beratung erschöpfte Mamas vor mir sitzen und weinen, weil sie einfach nicht mehr können, es aber auch nicht übers Herz bringen ihr Kind abzugeben, dann ist das ein sehr sensibler Moment. Weil es aber für eine Eingewöhnung sehr viel Klarheit braucht, nehme ich die Mamas/Eltern an die Hand und führe sie durch ihren Prozess mit dem Blick auf die Familie als ganzes System, bei dem es allen Beteiligten gut geht.

4. Was war dein bewegendster Gänsehaut-Moment mit einer Familie in der Eingewöhnung?

Oh, da gab es viele. Negativ verursachte Gänsehaut hab ich, wenn Eltern von Gewalterfahrungen in der Kita bzw. Eingewöhnung berichten. Ich hab aber (leider) in den letzten acht Jahren echt schon alles gehört, mittlerweile schockt mich nix mehr. Es treibt mich eher an, weiter aufzuklären.

Positive Gänsehaut-Momente sind:

  • Wenn ein Kind die Trennungen gut meistert bzw. die Eingewöhnung geschafft hat, obwohl es ein langwieriger Prozess war. Denn manchmal ist es ein für Eltern und Fachkraft kommunikationsintensiver Kampf und mein gesammeltes Wissen bzw. Erfahrung werden auf die Probe gestellt. Dann fällt auch mir ein Stein vom Herzen, weil wir drangeblieben sind, damit die Eingewöhnung besser läuft.
  • Wenn Eltern durch das Happy Kita Start Begleitprogramm oder durch viele Beratungen schon so vertraut sind, dass sie mir manchmal Fotos von ihrem Baby schicken. Und dann kommen sie mit ihrem 2. oder 3. Kind zu mir oder lassen sich beim Wechsel von der Krippe/Tagesmutter in die Kita/Kindergarten wieder von mir begleiten. Das ist immer ein Zeichen, dass meine Arbeit wirklich hilfreich ist. Sie haben eigentlich schon viel von mir gelernt, aber jedes Kind ist anders und die Eltern schätzen die persönliche, individuelle Unterstützung bei der Eingewöhnung sehr.

5. Welche Rückmeldungen von Eltern haben dich seit der Veröffentlichung besonders berührt?

Kurz & klar: Eine Frage und ein Satz (mit Antworten zur Kita-Eingewöhnung)

6. Was ist für dich eine gute Eingewöhnung – in einfachen Worten?

Eine gute Eingewöhnung BESCHÜTZT BINDUNG zwischen Eltern und Kind und baut eine Bindung zwischen Fachkraft und Kind als Voraussetzung für Trennung auf, sie BEFRIEDIGT (nicht nur die organisatorischen, sondern vor allem die emotionalen) BEDÜRFNISSE und eine gute Eingewöhnung BESTÄRKT die Dreiecks-BEZIEHUNG zwischen allen Beteiligten (Kind, Eltern, Fachkraft) was dazu führt dass Mama*Papa und Kind sicher und entspannt loslassen können.

7. Eltern fragen oft: Wie viel Weinen ist eigentlich „normal“ beim Kita-Start? Was sagst du dazu?

Weinen ist „normal“, aber es darf niemals heißen „egal“ – denn zu viele Kinder weinen viel zu viel und unnötig bei Trennungssituationen (wobei ich nicht die Kummer-Tränchen meine, denn die sind unter strengen Voraussetzungen okay).

8. Welchen Tipp hast du für Eltern, die sich über die Eingewöhnung Gedanken machen oder sich unsicher fühlen?

Schreib alles auf, was dir im sich drehenden Kopf umherschwirrt und was du im kribbelnden Bauch oder in deinen schlackernden Beinen für Gefühle spürst – und wenn dir das noch keine Klarheit und innere Ruhe bringt (oder wenn immer wieder neue Gedanken und Gefühle auftauchen, dann komm ins Happy Kita Start Begleitprogramm und ich bin dein Sicherheitsnetz für den Drahtseilakt Eingewöhnung!

9. Was können Kitas tun, damit Eltern und Kinder sich gut aufgehoben fühlen?

Definitiv mehr mit den Eltern reden, denn Fachkräfte sind oft betriebsblind – in ihren Köpfen sind die Abläufe von Eingewöhnungsprozessen klar, aber viele Eltern haben keine genaue Vorstellung davon und wissen oft nicht was sie tun sollen.

10.  In deinem Buch schreibst du von „Erste-Hilfe-Tipps“ – magst du uns einen verraten?

Wenn du merkst, dass die Nervosität vor dem Verabschieden schon auf dem Weg zur Kita in dir aufsteigt, dann bleibe stehen, schau in die Wolken, atme, lausche nach Vogelgezwitscher, nimm gern auch dein Kind in den Arm und drück es kurz, bis du innerlich wieder ruhiger bist und weitergehen kannst.

11. Warum ist „Auf ins Kita-Abenteuer“ ein Must-Have für alle Kita-Eltern?

12. Was ist der wichtigste erste Schritt bei der Eingewöhnung?

Eine gute Vorbereitung (das gilt für Eltern und Fachkräfte genauso), denn die Eingewöhnung fängt schon lange an, bevor der 1. offizielle Tag startet.

13. Dein Lieblings-Erste-Hilfe-Tipp für Trennungsschmerz?

Vermeiden! – Trauer und Vermissen darf sein, aber Schmerz ist selten im Bereich eines „Ist noch okay-Weinen“.

14. Ein Mythos über die Kita-Eingewöhnung, den du gern auflösen würdest?

Das Stillen und eine enge Mutter-Kind-Bindung der Eingewöhnung schadet.

15. Was ist die größte Sorge von Eltern, die du erlebst?

Dass das Urvertrauen des Kindes zerstört und das Kind gebrochen wird (was leider auch keine völlig unbegründete Sorge ist, denn sonst hätte es die Notwendigkeit für meine Arbeit nicht gegeben).

Wie es weitergeht: Was sich in Kitas ändern muss und wie Stefanie von Brück dazu beiträgt

16. Was möchtest du in Zukunft für Familien und Kitas tun?

Ich werde weiterhin Eltern bei der Eingewöhnung beraten und begleiten und Kita-Teams sowie pädagogische Fachkräfte aus Krippe, Kindergarten, Kindertagespflege fortbilden. Denn das ist die Arbeit, die direkt etwas bewirken kann und die Eingewöhnungsprozesse schlagartig verbessert bzw. grundsätzlich erleichtert. Das geht auch weit über die Inhalte im Buch hinaus, denn dann arbeite ich ja sehr individuell auf die jeweilige Familie bzw. Betreuungseinrichtung bezogen.

17. Planst du ein weiteres Buch oder neue Projekte?

Ich habe einige geheime Ideen. Sehe das aber ähnlich wie beim zeitlichen Abstand zwischen Geschwistern – ich möchte mich aktuell noch auf mein erstes Buch“kind“ fokussieren. Ein nächstes Buch“baby“ direkt hinterher fühlt sich für mich persönlich nicht stimmig an. Außerdem verdient man als Erstautorin nicht so viel, dass man davon leben kann. Ich „muss“ also meine Arbeit mit den Familien und Kitas fortführen. Aber ich habe das große Privileg, dass ich mir eine Arbeit erschaffen habe, die ich sehr sehr gut kann und auch nach vielen Jahren Fokus auf das Thema Eingewöhnung nie langweilig wird. Ich lieb´s einfach.

18. Was wünschst du dir für das Kita-System in Deutschland?

Manchmal wünsch ich mir, dass es zusammenbricht und dann komplett neu und besser natürlich wieder aufgebaut wird. Denn das politisch-strukturell-gesellschaftliche Versagen wirkt immer nach unten – über die Fachkräfte und Eltern bis hin zu den Kleinsten am Ende der Kette – unsere Kinder. 

19. Ein Abschlusswort aber jetzt mal an alle Fachkräfte, die gerade vor der Eingewöhnung stehen?

Zeit ist das kostbarste Gut, die ihr mit beziehungsstarken Momenten füllen könnt, damit Eltern und Kind vertrauen und loslassen. Und lernt die Happy Kita Explorationsmethode kennen und in der Praxis anwenden, die ist DER Gamechanger!

20. Was würdest du einem Kind vor seiner Eingewöhnung mitgeben?

„Komm wir spielen, wir packen deinen Koffer* und nehmen in die Kita mit:
Deine Neugierde und Freude am Rutschen/Sandkasten buddeln/Laufrad fahren/Malen/Bauen/…, dein Lieblingskuscheltier/-spielzeug, eine Handvoll Küsschen und ein Foto von Mama und Papa, einen Sicherheitsanker, deinen Mut, deine … ach, am besten DU kommst mit – genauso wie du bist.“

*Es ist imaginärer Kita-Rucksack, kann aber auch ein realer Rucksack sein. Das Gespräch kann sich gemeinsam und entsprechend den Signalen und Ideen des Kindes entwickeln und funktioniert auch schon mit kleinen Kindern, denn es geht mehr um das WIE anstatt das WAS. Auch Vermissen und Traurigsein darf zum Thema werden.


Bleib beziehungsstark.

Deine Stefanie

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Auf ins Kita-Abenteuer. Das Bild zeigt das Cover des Elternratgebers der Autorin Stefanie von Brück zum Thema Eingewöhnung.

Stefanie von Brück

ist Expertin für beziehungsstarke Eingewöhnung und Kita. Sie ist Pädagogin, Elternberaterin, Kita-Referentin, Autorin und Gründerin der Happy Kita® Academy.

Seit 2018 berät und begleitet sie Eltern bei der Eingewöhnung ihrer Kinder und bildet pädagogische Fachkräfte bzw. Kita-Teams europaweit fort. Sie war in zahlreichen bekannten Podcasts zu Gast und verbreitet ihre Vision für Veränderung in der Kita-Welt auch auf ihrem Blog und Instagram-Kanal.

Auf ins Kita-Abenteuer. Das Bild zeigt das Cover des Elternratgebers der Autorin Stefanie von Brück zum Thema Eingewöhnung.

Früher hat Stefanie (nach ihrem Staatsexamen in Sozialpädagogik) pädagogische Fachkräfte ausgebildet und abschlussgeprüft und war jahrelang ehrenamtlich in einer Kita- und Schulgründung aktiv.

2024 erschien ihr Buch „Auf ins Kita-Abenteuer“* mit dem Fokus: Eingewöhnungen bindungssicher, bedürfnisorientiert und beziehungsstark zu gestalten.

Denn das ist die Voraussetzung für langfristig mehr Kita-Lust statt Kita-Frust. Und zwar für alle Beteiligten: Kind, Eltern und pädagogische Fachkräfte.

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