Als ich mit meinem Neugeborenen im Arm festlegen musste, wann meine Elternzeit endet und die Eingewöhnung beginnt, war ich voller Hormone und hatte keine Ahnung was das alles bedeutet. Die Eingewöhnung schien kilometerweit weg. Schließlich hatte ich gerade erst vor 4 Wochen mein Baby geboren.
Wer denkt da schon dran, es direkt wieder wegzugeben.

Erst als der 1. Kita- und Arbeitstag immer näher rückte merkte ich was wirklich Phase ist.
Lange hatte ich es verdrängt und gedacht „Ja, alles gut, passt.“
Doch dann wurden die Stimmen in meinem Kopf immer lauter und mein Mamaherz klopfte wild.

Nicht nur eine Reihe schlafloser Nächte brachte ich hinter mich, sondern auch einen Krankenhausaufenthalt und drei Gespräche, bei denen ich meinen ganzen Mut brauchte.

Inhaltsverzeichnis

Mit einem Neugeborenen im Arm an den Beginn der Eingewöhnung denken
Elternzeit mit meinem Sohn – kein Gedanke an Eingewöhnung
Die Realität holt mich ein – tausend Gedanken an die Eingewöhnung
Ein Besuch im Krankenhaus – psychosomatische Beschwerden wegen der Eingewöhnung?
Ein Telefonat und zwei Gespräche, bei denen ich meinen ganzen Mut brauchte
Dilemma gelöst – der neue Plan für die Eingewöhnung

Mit meinem Neugeborenen im Arm an den Beginn der Eingewöhnung denken

Stefanie von Brück und ihr erstes Kind

März 2013 – mein 30. Geburtstag steht kurz bevor, aber anstatt ans Feiern zu denken, liege ich mit meinem 4 Wochen altem Baby im Familienbett. Vor einer Woche war ich das erste Mal mit Baby spazieren, noch etwas wackelig auf den Beinen liefen wir im schneebedeckten Paradies. Dann kam die Email meiner Schulleiterin, dass ich unbedingt an den Antrag für meine Elternzeit denken muss. Waaaaah.

Na klar, hatte ich mir vorher schon Gedanken gemacht, wie lange ich zu Hause bleiben will. Aber dann war da dieses kleine Baby in meinem Arm, ich war voller Hormone und hatte eigentlich keine Ahnung, was ich wirklich will.

Wer kann schon in die Zukunft blicken und wissen, wann ein Kind bereit ist für den Kita Start? 
Und (viel wichtiger, aber das wusste ich damals noch nicht) wann eine Mama bereit ist für die Eingewöhnung?

Krippe mit einem Jahr war mir definitiv zu früh, das wusste ich. Also hab ich 18 Monate eingetragen. Das erschien mir sinnvoll, denn damals war ich noch Lehrerin und zum Schuljahresbeginn wieder in den Job zurückzukehren, passt gut. Eine Kollegin hatte es genauso gemacht und das klappte gut, andere Beispiele aus meinem privaten Umfeld kannte ich nicht und Facebook hab ich zu dem Zeitpunkt noch boykottiert.

Elternzeit mit meinem Sohn – kein Gedanke an Eingewöhnung

Es war wunderbar. Ich war noch nie so frei, konnte mit meinem Baby einfach so, bedürfnisorientiert, in den Tag hineinleben. Ohne Verpflichtungen, ohne Stress. Ich vermisste meine Arbeit NULL.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen, das Leben mit Baby war auch bei mir nicht immer Bullerbü. Ich hab genau wie alle Mamas die schlaflosen Nächte, Zahnen, Weinen, Essen und Wäsche überall und überfordernde Situationen hinter mir. Aber meine Erinnerung und mein Hauptgefühl war positiv, es war eine tolle Zeit und ich fühlte mich mit meinem Muttersein sehr wohl.

Die Realität holt mich ein – tausend Gedanken an die Eingewöhnung

Das Ende der Elternzeit rückte immer näher und langsam wurde ich nervös, anfangs ohne dass ich es gemerkt hab, warum.

Die Kitaplatzwahl war schon vor einer Weile abgeschlossen, wir hatten eine neue Kita in der Nähe und auf dem Weg zur Arbeit gefunden. Was für ein Glück. Offenes Konzept, große, helle Räume, Garten noch etwas spartanisch, weil neu angelegt, aber viel wichtiger: die passenden Antworten auf meine Fragen bei der Besichtigung. Bin gleich aufgefallen, weil ich so viel gefragt hab. Als Pädagogin, die Fachkräfte ausbildet, die später mal in Kita & Co. arbeiten, hatte ich natürlich den beruflichen Röntgenblick. Ich scanne die Lage in Kitas auch heute noch.

Na jedenfalls war ich eigentlich ganz guter Dinge mit dem geplanten Kitastart. Eigentlich.

Panik vor der Eingewöhnung

Denn in mir drängten sich zunehmend Gedanken immer weiter ins Bewusstsein:

  • Wird die Eingewöhnung klappen?
  • Was ist, wenn er weint?
  • Ich will nicht, dass er weint.
  • Was ist mit Stillen?
  • Mein Kind schläft doch nur bei mir an der Brust ein…
  • Ich hab keine Lust wieder zu arbeiten, es ist so schön grad.
  • Aber ich muss. Ich hab ja zugesagt, dass ich wiederkomme.
  • Wird er gerne in die Kita gehen?
  • Er liebt andere Kinder.
  • Aber ist er schon so weit?
  • Er kann zwar super laufen, rennen, klettern, aber Sprechen ist noch nicht sooo viel.
  • Beim Papa ist es auch noch schwer.
  • Er wurde noch nie von jemandem anderes betreut.
  • Schafft er es ohne Mama zu sein?
  • Schaffe ich es ohne ihn zu sein?

Ganz ehrlich, wenn du gedacht hast „Aaaah, Stefanie ist Expertin und Beraterin für Kita-Eingewöhnung, dann lief das bei ihr bestimmt alles reibungslos…“ dann weißt du spätestens jetzt, dass es auch für mich eine große Herausforderung war. Dass ich mir genau die gleichen fragen gestellt hab.

Ja, ich bin Pädagogin. Ja, ich weiß, wie Eingewöhnung geht, das war definitiv ein Vorteil.
Aber ja, ich bin Mutter. Und das ist ein ganz anderer Schnack.

Muttergefühle sind Gefühle, deren Intensität wir nie im Leben erwartet hätten. Die nicht nur leise anklopfen, sondern auch mal um die Ecke geschossen kommen. Sie tragen eine wichtige Botschaft mit sich und können wie beste Freundinnen für uns sein.

Genau DAS, dass ich diese Muttergefühle wirklich doll gefühlt hab, macht mich heute neben meinem pädagogisch-fachlichen Blick so empathisch und hilfreich. In den Beratungen weiß ich wie die Mama sich fühlt UND habe das passende Konzept, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen und sie nutzen kann. Das hätte ich damals auch gebraucht – ein Mensch, der mich an die Hand nimmt und mich durch dieses Gefühls- und Gedanken-Wirrwarr begleitet. Deswegen gibt es mein Happy Kita Start Begleitprogramm.

Ein Besuch im Krankenhaus – psychosomatische Beschwerden wegen der Eingewöhnung?

Dass ich einige schlaflose Nächte hatte, brauch ich vermutlich gar nicht zu erwähnen. Die Frage „WAS IST RICHTIG?“ quälten nicht nur mich, sondern so viele Mamas.

Einige meiner Kundinnen berichten auch, dass sie oft weinen – aus Verzweiflung, weil sie merken, das passt alles nicht, aber nicht wissen „WAS SOLL ICH TUN?“.

Ich weiß nicht mehr, ob ich geweint hab. Aber ich weiß, dass mein Kind ca. 2 Monate vor dem geplanten Beginn der Eingewöhnung plötzlich im Kinderzimmer schlafen wollte.

OMG – raus aus dem Familienbett. JETZT schon???

Ok, Steffi, Atmen, Atmen, alles ist gut. Dein Kind ist autonom, er weiß was er will.

Ich hab ihn natürlich gelassen, so wie er wollte: Erstmal zum Mittagsschlaf, dann auch abends zum Einschlafen. Dann auch die Nacht über. Lief gut für ihn.

Mittagsschlaf im Kinderzimmer

 

Mein Mann und ich waren hingegen aufgeregt und konnten kaum schlafen. Wir hatten das Babyphon an UND die Türen offen gelassen. Ich mein, mein Mann stammt zwar von altem Kirchenadel ab, aber unsere Wohnung war kein Schloss. Das Kinderzimmer war direkt neben dem Schlafzimmer…
Wenn ich das jetzt so Revue passieren lasse, muss ich echt Schmunzeln… Erstlingseltern 😉

Was dann passierte, war allerdings eine ziemliche Wendung.

Unser Sohn schlief abends im Kinderzimmer ein, wachte aber immer noch nachts auf. Ich musste also „wandern“ um ihn zu stillen und ich stellte mir wieder einmal die Frage, wieso Eltern KEIN Familienbett haben…  nach 3 Tagen war ich durch und tagsüber ein Mombie. Ich beschloss also mit einer Matratze neben meinem Kind liegen zu bleiben, sobald es das erste mal aufwachte.

Doch damit nicht genug. Ich bekam Bauchweh, die sich langsam aber allmählich zu Bauchschmerzen steigerten und am Ende in einem Gefühl von „Verdammte Scheiß, das tut weh wie bei der Geburt…“ endeten. Die Krämpfe waren kaum auszuhalten.

Ab ins Krankenhaus. Ergebnis: NICHTS.
Also zumindest nichts was medizinisch zu behandeln gewesen wäre. Klar, Magen-Darm hatte ich schon öfter, aber noch nie soo schlimm.

Neue Gedanken drängten sich in mein Bewusstsein:

  • Wieso diese Intensität wie bei einer Geburt?
  • Soll das ein Magen-Darm-Infekt sein?
  • Ist es Herzschmerz, weil mein Kind aus dem Familienbett auszieht?
  • Oder ist es die Angst vor der Eingewöhnung?
  • Weil ich mein Kind loslassen muss?

Ich habe keine Ahnung was es war. Die Ursache spielte auch keine Rolle mehr. Viel wichtiger war die Botschaft, die ich nun ganz deutlich spüren konnte.

Das Dilemma zwischen Loyalität meiner Arbeit und den Kolleg:innen gegenüber und der Loyalität meinem Kind gegenüber soll sich auflösen. Die geplante Eingewöhnung fühlt sich nicht richtig an. Mein Kind ist noch nicht bereit. ICH bin noch nicht bereit.

Ein Telefonat und zwei Gespräche, bei denen ich meinen ganzen Mut brauchte

Nach meinem Entschluss, dass ich mich jetzt lange genug unterbewusst mit der Entscheidung gequält hab und nun die Sache in die Hand nehmen will, löste zwar mein Dilemma noch nicht, aber ich kam wieder in meine Kraft zurück.

Ich stellte mir 3 kleine Fragen, die auch heute noch Ausgangspunkt meiner Beratungen sind.

Nachdem ich die Antwort gefunden hatte, waren die nächsten Schritte klar:

  1. Telefonat mit dem Schulamt
  2. Gespräch mit meiner Schulleiterin
  3. Gespräch mit der Kita

Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen, denn meiner Schulleiterin zu sagen, dass ich meine Elternzeit verlängere und nicht zum Schuljahresbeginn wieder komme, war definitiv nicht leicht. Denn ich war bereits eingeplant als Klassenlehrerin und mit einem 80% Stundenumfang.

Das hatte nicht wenige Konsequenzen für meine Schule, so kurz vor knapp Bescheid zu geben. Zu lange hatte ich gezögert und versucht mein Dilemma allein zu lösen. Hätte ich die Stefanie von heute damals gehabt, wären mir einige Wochen Gedankenkreislauf, Gefühlsachterbahn und Entscheidungshemmungen erspart geblieben.

Der Mensch im Schulamt war von meinem Timing auch nicht begeistert, sagte aber auch klar „Es ist Elternzeit, es steht Ihnen zu.“ Mein schlechtes Gewissen schwand.

Blieb noch das Gespräch mit der Kita, was sehr verständnisvoll lief. Das war nicht selbstverständlich, schließlich war auch dort der Platz eingeplant und sie konnten ihn nicht ewig freihalten. Aber meine Muttergefühle wurden respektiert, ich war da auch ganz ehrlich, und das tat sehr gut und förderte das Vertrauen in die Eingewöhnung. Vielen meiner Kundinnen, die ich berate, geht es nicht so. Sie hören oft Sätze wie „Sie müssen auch Loslassen. Wir machen das schon. Sie müssen uns auch vertrauen. Weinen gehört dazu. Das ist ja auch ein Zeichen guter Bindung. Usw.“

Dilemma gelöst – der neue Plan für die Eingewöhnung

Elternzeit verlängert bis zum 2. Geburtstag. Kita-Eingewöhnung startet mit 21 Monaten. Damit waren 3 Monate Zeit bis ich wieder arbeiten gehen musste.

Damit war ich zufrieden. Ich hatte ein halbes Jahr Verlängerung meiner Elternzeit. Mehr Zeit MICH auf die Eingewöhnung vorzubereiten, mein KIND auf die Eingewöhnung vorzubereiten und dann auch mehr Zeit für die Eingewöhnung selbst.

Ich entspannte mich. Und konnte zuversichtlich und vor-freudig auf den Kitastart blicken.
Mein Dilemma hatte sich gelöst.

Hast du auch ein Dilemma rund um das Thema Eingewöhnung deines Kindes?
Schreib mir und ich antworte dir.

Liebe Grüße, deine Stefanie

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