2018 – vier Zweijährige sitzen im Lastenrad vor mir und gebärden alle gleichzeitig „Arbeiten“ als ich mich morgens von meinem Sohn verabschiede. Tränenfrei fährt er mit den anderen Tageskindern und der Tagesmutter mit dem Rad zum Spielplatz. Fröhliche Kinder, statt Herzschmerz in der Eingewöhnung. So kann der Tag beginnen.
(Auf dem Foto siehst du nur mein Kind beim Winken. Das Foto mit allen Kindern bleibt privat.)

Ein Abschied ohne Tränen in der Eingewöhnung ihrer Kinder – das wünschen sich so viele Eltern, die in meine Online Kita-Beratungen kommen. Und auch Fachkräfte, die ich fortbilde, geben ihr Bestes, damit der Übergang von der Familie in die Kita dem Kind und seinen Eltern möglichst leicht fällt. Vorgestern war ich in einer Kinderkrippe in Nürnberg zu Gast und sprach 8 Stunden mit dem Team über mein Spezialgebiet „beziehungsstarke Eingewöhnung“ (nächste Online Fortbildungen am 1.5.21)

Und immer wieder setze ich dabei den Impuls zum Einsatz von gebärdengestützter Kommunikation in der Familie UND in der Krippe bzw. Tagespflege.

Welche Vorteile Gebärden bei der Eingewöhnung von Kindern haben, darum dreht es sich in diesem Artikel. Doch zuvor noch ein kleiner Rückblick:

Wie ich Babyzeichensprache mit meinen Kindern genutzt habe – Schlüsselmomente

2012 – als ich das erste Mal von Babyzeichen hörte, war ich sehr skeptisch und dachte „So ein Quatsch!“ Doch dann lernte ich 2014 Wiebke Gericke, die Gründerin von babySignal, kennen und kaufte ihr Buch „Mit den Händen sprechen“. Dabei stellte ich fest, dass mein Mann intuitiv die richtigen Gebärden für z.B. ESSEN, TRINKEN wusste und ich selbst bereits unbewusst die Gebärden für ALLE bzw. WEG in einigen Situationen mit unserem Sohn nutzte. Also begann ich weitere Gebärden in unseren Alltag zu integrieren, obwohl unser Sohn schon 18 Monate alt war und ein paar Wörter sprechen konnte.

Was soll ich sagen: Es war großartig, denn unsere Kommunikation bekam einen Turbo-Booster! Plötzlich konnten wir über noch mehr „reden“ als zuvor und er lernte die Gebärde und oft das Wort gleichzeitig. Kurz nach Weihnachten 2014 wachte unser Kind nachts auf und weinte unaufhörlich. Die üblichen Strategien (Stillen, frische Windel, Essen, Trinken, Rumtragen, Singen usw.) nützten nichts.

Aber die Gebärden haben uns gerettet.

Unter Tränen zeigte er irgendwann das Zeichen für BAGGER. Ich sprang auf, ging mit ihm rüber ins Kinderzimmer, machte Licht – er sah den Bagger (den er zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte) und war sofort ruhig. Mit einem glücklichen Kind kam ich dann wieder ins Familienbett und wir haben selig weitergeschlafen. Das war mein Schlüsselerlebnis und ich wurde babySignal Kursleiterin, weil ich dachte:

„Alle Erwachsenen und Kinder brauchen Babyzeichensprache!“

Seit 2015 bin ich nun Kursleiterin und habe sehr vielen Eltern, aber auch einigen pädagogischen Fachkräften in Kitas die Welt der Gebärden näher gebracht.

Auch mit unserem 2. Sohn gebärdete ich. Da ich Gebärden nun schon kannte bereits ab seinem 4. oder 5. Lebensmonat. „Pipi“ war das erste Zeichen, was er zeigte. Wahnsinn, welch Gewinn. Mein Säugling konnte mir mitteilen, wann es abgehalten werden wollte. (Seit seiner Geburt machten wir „windelfrei“.)

2017 – ein Jahr später beherrschte er knapp 50 Gebärden, auch wenn er sie nicht alle permanent nutzte, hatten wir ein hilfreiches Repertoire für unsere Kommunikation. Und genauso wie es mit meinem ersten Sohn so einen Schlüsselmoment gab, so war es auch diesmal.

Wie die Gebärden mir bei der Eingewöhnung meines Kindes geholfen haben

2018 – Mit 2 Jahren kam unser Kind zur Tagesmutter. Sie war goldwert, sehr liebevoll und wir verstanden uns gut. Die Eingewöhnung lief langsam und sanft und doch gab es Momente, da war mein Kind morgens noch etwas aufgeregt. Alles war schließlich neu, das Getrenntsein von mir zwar nicht gänzlich ungewohnt, da mein Mann auch oft mit den Jungs unterwegs war oder mit ihnen allein zu Hause, wenn ich stundenweise ehrenamtlich oder beruflich unterwegs war.

Doch eine Eingewöhnung ist nochmal was anderes und so war mein Kind sehr klar mit seinen Signalen, wie ihm das Zusammensein mit der Tagesmutter und den anderen Kindern (ohne mich) gefällt und wie nicht. Und vor allem, was er brauchte, um sich früh morgens gut zu lösen.

Zum Glück hatte ich genug Erfahrung mit Eingewöhnung – beruflich als Pädagogin und persönlich als Mutter – so dass ich den Eingewöhnungsprozess gut gestalten konnte.

Eine ganz praktische Hilfe waren die Babyzeichen.
Vor allem das Wort „Arbeiten“ erwies sich als genial. Wenn ich meinen Sohn morgens zum Garten der Tagesmutter brachte und alle Kinder in das Lastenrad kletterten, dann sagte ich zu meinem Kind beim Verabschieden:

Ich wünsch dir viel Spaß auf dem Spielplatz. Ich gehe jetzt arbeiten.“ und dabei gebärdete ich ARBEIT.

Zu meiner Überraschung gebärdete nicht nur mein Sohn zurück, sondern auch die anderen drei Tageskinder, klopften ihre Fäustchen aufeinander.

Das war echt ein schönes Bild, wie so ein Trupp Kleinkinder ARBEITEN gebärdet und sich dabei freute.

Und das Beste – keine Tränen bei meinem Kind, denn er war ganz sicher: „Wenn meine Mama arbeiten geht, dann weiß ich, sie kommt wieder.“

Denn natürlich habe ich die Gebärde ARBEITEN schon früher eingesetzt. Wenn Papa zur Arbeit ging oder wiederkam oder die Kinder zwischendurch nach ihm fragten. Wenn ich zu Hause für ein, zwei Stunden im Arbeitszimmer verschwand oder am Wochenende zu Vereinstreffen ging (wir gründen eine eigene Kita und Schule), dann gebärdete ich ebenfalls ARBEITEN.

So konnte mein Sohn schon im Vorfeld der Eingewöhnung die Erfahrung machen, dass Arbeiten gehen = Wegsein von Mama nichts Schlimmes ist. Dass ich immer wieder komme. Und dass er in dieser Zeit liebevoll versorgt ist. Anfangs vom Papa und später eben von der Tagesmutter.

Auch die Gebärde HAUS (wie auf dem folgenden Foto zu sehen) war Teil unseres Alltags während der Eingewöhnung. „Komm, jetzt gehen wir nach HAUSE.“ sagte ich nach der Begrüßung meines Sohnes beim Abholen.

Natürlich führt eine Gebärde allein nicht automatisch zu dieser positiven Eingewöhnungserfahrung, aber sie begleitet die gemachten Erfahrungen auf einem zusätzlichen Kanal.

Auch macht nicht eine Gebärde allein eine gute Eingewöhnung aus, aber Gebärden können (wie bei meinem Sohn) den Eingewöhnungsprozess wunderbar unterstützen.

Ich bin 100% ig davon überzeugt, dass der Einsatz von Gebärden sowohl in der Familie als auch in Krippe, Kita und Tagespflege gewinnbringend ist. Nicht nur für die Eingewöhnung, sondern auch generell. Deswegen fasse ich nochmal zusammen:

Vorteile von Gebärden in der Eingewöhnung und allgemein im pädagogischen Betreuungsalltag

  • Gebärden fördern den Beziehungs- und Vertrauensaufbau in der Eingewöhnung:
    nutzen Eltern und Fachkräfte die Gebärden gemeinsam ist das ein verbindendes Element, was den Beziehungs- und Vertrauensaufbau zwischen Fachkraft und Kind, aber auch zwischen Fachkraft und Eltern stärkt

  • Gebärden bilden eine Brücke zwischen zu Hause und der Kita, Krippe, Tagespflege:
    nutzen Eltern Gebärden in der Eingewöhnung, die sie vorher zu Hause erlernt haben, dann helfen die Gebärden als Brücke zwischen der bereits bekannten (Familie) und der neuen Situation (Betreuung)

  • Gebärden machen Sprache sichtbar:
    Kleinkinder lernen Sprache mit allen Sinnen erleben und begreifen

  • Kleinkinder können durch Gebärden ihre Bedürfnisse und Gefühle ohne Worte ausdrücken:
    neue Betreuungspersonen können die Kinder leichter verstehen, wenn sie Gebärden (er)kennen und die Kinder fühlen sich besser verstanden, wenn Fachkräfte auch auf ihre nicht-sprachlichen Äußerungen eingehen

  • Gebärden helfen mehrsprachig aufwachsenden Kindern:
    mehrsprachig
    e Kindergruppen haben einen zusätzlichen Kommunikationsweg, der alle Erwachsenen und Kinder interkulturell verbindet und das „Springen“ zwischen den Sprachen erleichtert

  • Gebärden erhöhen die Freude am Sprechen lernen

  • Gebärden stärken die Fachkraft-Kind-Interaktion und Beziehung:
    das Zusammensein wird zufriedener, weil sich Erwachsene und Kinder besser verstehen

  • Gebärden im pädagogischen Alltag können Stress reduzieren:
    Konflikte
    können besser vermieden werden und die Harmonie in der Gruppe erhöht sich

Fazit

Wenn du Mama*Papa bist und schon Gebärden mit deinem Kind nutzt – wunderbar. Mach weiter so und verwende sie auch in der Eingewöhnungszeit deines Kindes.
Wenn du jetzt an Gebärden interessiert bist, dann schau gern, ob demnächst in deiner Nähe ein Anfängerkurs stattfindet. Da ich selbst und einige meiner Kolleg:innen gerade wegen Corona keine Kurse geben, empfehle ich dir gern die Onlinekurse von babySignal.

Wenn du Erzieher:in oder Tagesmutter:vater bist und du in Leipzig arbeitest, dann komme ich gern zum Krippenkurs in deine Kita oder Tagespflege. Oder sachsenweit zu einem Workshop. Schreib mir einfach bei Interesse eine Anfrage per Mail.

Wenn du Erzieher:in oder Tagesmutter:vater bist und nicht in Sachsen arbeitest, dich die Gebärden für Krippe oder Tagespflege interessieren, schau hier die babySignal Onlineangebote für pädagogische Fachkräfte meiner Kolleg:innen.

Wenn du Mama bist und dich die Eingewöhnung deines Kindes beschäftigt, dann schau dir mein Happy Kita Start Begleitprogramm an. Dabei bin ich 3 Monate an deiner Seite und unterstütze dich und dein Kind bei einer bedürfnisorientierten, bindungssicheren und beziehungssstarken Eingewöhnung.

Wenn du Erzieher:in oder Tagesmutter:vater bist und dich das Thema Eingewöhnung interessiert, dann melde dich zu meiner Online-Fortbildung an. Alle Infos findest du, wenn du auf den folgenden Link klickst.

Du weißt nicht, was das Passende für dich ist? Dann schreib mir eine Nachricht oder Email.

Viel Erfolg bei der Eingewöhnung.

Deine Stefanie