Viele Eltern kennen diesen Moment:
Du kommst in die Kita, hast dich extra beeilt und freust dich auf dein Kind.
Doch statt Freude kommt: Wut, Tränen oder völlige Ablehnung.
Wie schön wäre es doch, die Kinder rennen strahlend in die Arme ihrer Eltern, stattdessen rennen manche Kinder einfach weg. Andere brechen in Tränen aus oder sind völlig „drüber“, strampeln wütend beim Anziehen, sind mega anhänglich oder gnadenlos erschöpft und können auf einmal gar nix mehr. Nicht mal Schuhe anziehen.
Häufig fragen sich Eltern dann:
„Wieso dreht mein Kind so durch?“
„Freut es sich überhaupt mich zu sehen oder ist es sauer auf mich, weil ich es in die Kita gebracht hab?“
„Was denken die Erzieher*innen jetzt über mich als Mutter?“
„Wie kann ich mein Kind ohne Drama abholen?“
Warum dein Kind nach der Kita so emotional reagiert
Das Abholen ist (genauso wie die Bringsituation am Morgen) einer der emotional intensivsten Momente des Tages.
Kinder haben stundenlang kooperiert, sich angepasst, Rücksicht genommen, Regeln eingehalten, stillgesessen bzw. gewartet, Konflikte mit anderen Kindern ausgehandelt, vielleicht auch Mama*Papa vermisst und insgesamt viele Eindrücke verarbeitet.
Wenn du kommst, fällt die Spannung ab.
Und genau dann zeigen sich die echten Gefühle.
Das ist aber nicht sofort ein Zeichen von „Problemen“, sondern von Bindung, Vertrauen und sich „fallen lassen können“.
Aber selbst mit diesem Wissen im Hinterkopf können solche Momente anstrengend sein, denn auch Eltern haben oft einen anstrengenden Tag hinter sich, jonglieren zwischen Arbeit, Einkaufen, Haushalt, Freizeit und dem Wunsch, dem Kind Sicherheit zu geben.
Damit auch die Zeit nach der Kita beziehungsstark gelingt, gebe ich hier
fünf bewährte Tipps, wie der Übergang nach der Kita gut gelingen kann und Eltern die Verbindung zu ihrem Kind liebevoll stärken können.
1. Zeit lassen – ohne Erwartungen ans Kind
Nach der Betreuung brauchen Kinder vor allem eins: Zeit zum Umschalten.
Sie wechseln von der Kita-Welt in die Familien-Welt, und dieser Übergang ist groß.
Hilfreich sind:
- ein ruhiger Moment beim Abholen
- kein Telefonieren oder am Handy fummeln
- nicht ständig auf die Uhr gucken und drängeln
- ein Satz wie: „Ich freue mich, dich zu sehen.“
- kein sofortiges Ausfragen („Wie war`s?“), sondern Raum lassen zum miteinander Ankommen
- ein sanfter Übergang nach Hause (nicht direkt Termine, Einkäufe, Hektik)
Kinder regulieren sich über Nähe und Präsenz – nicht über Worte. Wenn sie „auftauen“, zeigen sie oft erst, wie anstrengend ihr Tag war.
2. Verbindung anbieten – aber das Tempo des Kindes respektieren
Manche Kinder wollen sofort kuscheln.
Andere brauchen erst Abstand, Bewegung oder Stille.
Beziehungsstarke Angebote können sein:
- die Hand reichen oder eine Umarmung anbieten statt dem Kind sofort um den Hals zu fallen
- gemeinsam Jacke anziehen statt Drängen mit „Du bist schon groß und kannst das auch alleine.“
- ein kurzer „Tank‑Moment“ in der Garderobe, im Auto oder Buggy
- gemeinsam das heutige Lieblingsspiel in der Kita noch anschauen
- in der Kita den wichtigsten Menschen oder Spielzeugen zusammen Tschüss sagen
- aus der Kita raushüpfen (nebeneinander oder mit Kind auf dem Arm) und dabei fröhlich lachen (macht überschüssige Energie frei)
- zu Hause ein ruhiges Spiel oder Kuscheln anbieten
Wichtig: Das Kind entscheidet, wie viel Nähe es gerade verträgt.
3. Gefühle regulieren – statt sie wegzuerklären
Beim Abholen zeigen Kinder oft Gefühle, die sie den ganzen Tag über zurückgehalten haben. Manche Kinder weinen dann.
In solchen Momenten zu sagen „War doch alles gut heute.“ oder „Du hattest doch trotzdem Spaß.“ nimmt das Kind nicht ernst, auch wenn es gut gemeint ist und du die positiven Seiten der Kita bestärken möchtest.
Dein Kind aber auszufragen mit „Was war denn los?“ oder „Erzähl doch mal richtig.“ Hilft ihm auch nicht, denn nur weil es eine logische Erklärung gibt, warum etwas passiert ist, ist das Gefühl nicht automatisch weggefühlt, es wird nur weggedrückt.
„Text ist kein Trost. Sondern eine empathische Umarmung auch ohne viele Worte.“
Gefühle wirklich zu regulieren bedeutet:
Ich sehe dich. Ich halte dich. Ich bin selbst emotional stabil und dein sicherer Ort.
Wenn du danach etwas sagen willst, dann zum Beispiel:
- „Du darfst jetzt bei mir loslassen.“
- „Es ist okay, dass du gerade weinst.“
- „Der Tag war ganz schön lang für dich, ich merke, dass du müde bist. Komm ich helfe dir…“
4. Kleine Rituale – für den Übergang nach Hause
Rituale helfen Kindern, wieder in der Familienenergie anzukommen.
Sie müssen nicht groß sein – es geht um den bewussten beziehungsstarken Moment.
Hier einige Ideen:
- Stillen oder ein gesunder „Ankommens‑Snack“
- ein gemeinsamer Atemzug
- zusammen den Kita-Tag abschütteln und dabei Arme und Beine lustig locker rumwackeln lassen
- ein Lied, das nur beim Heimweg gesungen wird
- ein kurzer Spaziergang, bevor ihr ins Auto einsteigt
- Hopsen, Hüpfen, um die Wette rennen bis zum Kita-Garten-Tor
Rituale geben Orientierung – besonders nach einem vollen Tag. Es muss nicht zwingend immer das gleiche wiederkehrende Ritual sein. Kein Dogma!
5. keine Erziehungsmaßnahmen – für mehr Beziehungsstärke
Nach der Kita sind viele Kinder emotional „voll“. Genauso wie du nach der Arbeit auch müde, vielleicht auch ausgelaugt bist. Der Akku ist alle.
Erwachsene und Kinder verhalten sich in sozialen Settings (Kita, Arbeit) angepasst.
Zuhause fällt die Anspannung dann ab – wir plumpsen auch gern aufs Sofa und wollen uns ausruhen. Bei Kindern kommen vielleicht:
- Ärger oder Wut hoch
- Weinen oder Klammern
- scheinbare „Unvernunft“
- oder auch Rückzug und Ablehnung der Eltern
Dein Kind zeigt dir in diesem Moment nicht sein „schlechtes Verhalten“.
Es zeigt dir Vertrauen.
Und du darfst der Ort sein, an dem auch das Unangenehme sein darf.
Es ist ein Zeichen von „Es war echt viel heute und jetzt brauche ich etwas, das mir guttut. Hilf mir, Mama*Papa…“
Was du in solchen Momenten tun kannst:
- weniger Erwartungen an, sondern mehr Verständnis für dein Kind
- liebevolle Aufmerksamkeit und Präsenz für dein Kind, statt durch externe Ablenkungen (Handy, Zeitdruck) den Fokus verlieren
- einfache, klar nachvollziehbare Strukturen und kurze Sätze
- einen sicheren Hafen statt Konsequenzen (Meckern, Drängeln oder Zurechtweisen)
Fazit: Das Abholen ist ein Bindungs- und Beziehungsmoment.
Der Kita‑Tag fordert Kinder emotional, sozial und körperlich.
Beim Abholen dürfen sie loslassen – und genau das zeigt, wie sicher sie sich fühlen.
Wenn Eltern diese Momente nicht als „Problem“, sondern als Beziehungsangebot sehen, entsteht eine tiefe, sichere Verbindung, die Kinder langfristig stärkt.
Bindungsorientierte und beziehungsstarke Begleitung bedeutet nicht Perfektion.
Sie bedeutet: Da sein. Sehen. Halten. Lieben.
Wichtig: Sollte dein Kind wiederholt beim Abholen „emotional Zusammenbrechen“ ist das etwas anderes als ein „Es war ein langer Tag, ich bin durch.“
Dann buche dir bitte einen Beratungstermin und wir klären im Happy Kita Fokusgespräch, ob da mehr dahintersteckt und z.B. etwas in der Kita nicht gut läuft. Wir besprechen auch wie du diese Situation für dein Kind, gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften, verbessern/erleichtern kannst.


